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Erziehung - Allgemein
Wie Hunde lernen
Hunde lernen durch eigene Erfahrungen und durch "Nachahmen" (Übertragung von Stimmungen) anderer Hunde.
Besser ist es, wenn Sie Ihren Hund lehren und anleiten, damit er sich in unserer Gesellschaft
zurecht findet. Etwas Theorie muss sein.
Was müssen Sie wissen
Hunde lernen 24 Stunden am Tag ein ganzes Hundeleben lang. Auch einem alten Hund kann man
noch Neues beibringen. In den ersten 16 Wochen lernen Hunde besonders schnell, sowohl das
Positive als auch das Negative. Hunde lernen durch Erfolg oder Misserfolg. Ihr
zukünftiges Verhalten wird bestimmt durch ihre Erfahrung. Wenn sich die Reaktion auf sein
Verhalten als angenehm erweist, dann wird er es in Zukunft öfters zeigen; erweist sich die
Reaktion auf sein Verhalten als unangenehm, wird er es in Zukunft weniger zeigen.
Also ist Erziehung ganz einfach oder?
Vorsicht Falle!
Nicht alles was wir als angenehm oder unangenehm betrachten, empfindet der
Hund genau so. Wenn der Hund uns bei der Begrüßung anspringt und wir schubsen ihn weg, kann
der Hund das als tolles Spiel ansehen und uns das nächste Mal noch heftiger Begrüßen. Die
Begrüßung des Hundes zu ignorieren (Rücken zuwenden) oder ein Alternativverhalten zu lehren
(z.B. Befehl "Sitz") versprechen schon mehr Erfolg. Diese Reaktionen müssen sofort erfolgen,
sonst versteht der Hund Sie nicht.
Timing
| | aufmerksamer Schüler Bob |
Der richtige Zeitpunkt (Timing) von Bestärkung (Lob, Belohnung) oder Strafe
entscheidet über Erfolg oder Misserfolg in der Hundeerziehung. Es kommt auf die Schnelligkeit
des Hundebesitzers an. Innerhalb von 0,5 bis 2 Sekunden müssen Sie reagieren, damit der Hund Sie
versteht. Hunde können nur Dinge verknüpfen (verstehen) wenn diese fast gleichzeitig passieren:
wie z.B. "Platz" - der Bauch des Hundes berührt den Boden - sofort Loben und Leckerli geben.
Bei diesem Beispiel haben Sie 2 Sekunden Zeit, wenn Sie diese Übung ohne Ablenkung zu Hause
trainieren. Mit Ablenkung in der Hundeschule nur noch o,5 Sekunden.
Hunde können sehr wohl über ihre Tat reflektieren. Im Gegensatz zum Menschen
können sie heute die Folgen für ihr Tun nicht mit den Taten von gestern verknüpfen.
Beispiel: "ich klaue und fresse nicht das Steak, denn wenn Frauchen aufhört zu telefonieren
gibt es Prügel". Der Hund lernt nur sein Klauen zu unterlassen , wenn das Klauen sofort mit
einer unangenehmen Erfahrung zusammentrifft. In diesem Beispiel wäre das Beste, Frauchen hätte
aufgepasst und die Tür verschlossen, damit der Hund diese positive Erfahrung (Steak) nicht
gemacht hätte. Ist es trotzdem passiert und man will dem Hund das abgewöhnen (durch Strafen),
soll der Hund die Strafe nicht mit seinem Besitzer in Verbindung bringen. Beispiel:
"beim nächsten Klauen fällt der Teller mit Getöse herab, damit der Hund erschrickt
oder man legt etwas total Unschmackhaftes aus". Mit Strafen sind jedoch viele Nachteile
verbunden (siehe Gefahren beim Strafen).
Motivation
In der Hundeerziehung/Ausbildung ist neben dem richtigen Timing die
positive Motivation gleichermaßen wichtig. Wie kann man einen Hund motivieren? Ein Hund
ist ein hoch soziales Lebewesen und Beutegreifer. Mit Nahrung , Ersatzjagdspiele (der oft
heißgeliebte Ball) und Sozialkontakt lassen sich unsere Hunde leicht motivieren. Für die
meisten Hundebesitzer ist die einfachste Motivation die Nahrung. Allerdings ist die Kombination
aller drei Methoden das Beste.
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| Chira, Carmen und Mona werden motiviert ... |
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Man kann den Hund auch negativ motivieren. Z.B. mittels
Meidemotivation. Bei Fußgehen wird meistens noch so gelehrt, leider: der berühmte Ruck am
Halsband - mit oder ohne Stachelhalsband. Der Hund geht bei Fuß um den Schmerz zu vermeiden.
Das Negative dabei ist , dass der Hund dies alles mit seinem Besitzer verknüpft. Eine gute
Bindung zwischen Mensch und Hund kann so nicht entstehen. Eine enge Bindung entsteht nur
durch Vertrauen zueinander. Das Vertrauen bekommt man, wenn man seinen Hund über
positive Motivation lehrt.
Kommunikation
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| Hündin Taly | Rüde Slip |
Ein weiterer wichtiger Eckpfeiler, neben der Lerntheorie in der Erziehung
des Hundes, ist die Kommunikation. Der Hund bedient sich überwiegend der Körpersprache um
Informationen auszutauschen. Hunde erkennen viel leichter Zeichen als verbale Signale. Eine
erfolgreiche Kommunikation ist nicht einfach. Wir Menschen bedenken oft nicht wie unsere
Körpersprache auf den Hund wirkt. Durch unsere Größe können wir schon bedrohlich auf den
Hund wirken. Es entstehen auch viele Missverständnisse durch Fehlinterpretationen. Auch
viele Signale vom Hund werden von uns Menschen falsch verstanden. Wir Menschen können uns
gegenseitig fragen ob wir alles verstanden haben oder nicht. Der Hund zeigt durch sein
Verhalten ob er die Information verstanden hat. Oft geschehen durch die Vermenschlichung
des Hundes Fehler. Wenn der Hund nicht gehorcht, wird ihm oft unterstellt, er will seinen
Führer nur ärgern. Also muss der Hund bestraft werden und damit tut man ihm Unrecht. Damit
der Hund etwas dauerhaft lernt, muss oft monatelang (richtig) geübt werden. Um den Hund
richtig zu verstehen, muss der Besitzer die Körpersprache (das Ausdrucksverhalten) des
Hundes "lesen" lernen oder anders ausgedrückt, die Signale des Hundes verstehen lernen.
Die meisten Signale des Hundes haben je nach Situation eine andere Bedeutung, z.B. das Gähnen.
Hunde gähnen nicht nur wenn sie müde sind sondern auch wenn sie aufgeregt sind und Spannung
abbauen wollen. Man nennt diese Signale auch Beschwichtigungssignale.
Die wichtigsten Beschwichtigungssignale:
- den Kopf abwenden
- sich abwenden
- die Nase lecken
- das Erstarren
- langsame Bewegungen
- das Wedeln
- das Hinsetzen und Legen
- das Gähnen
- im Bogen gehen
- am Boden schnüffeln
- Splitten (Dazwischengehen)
- Pfote heben
- das Blinzeln
- das Markieren
- sich "welpisch" benehmen, obwohl der Hund erwachsen ist
>>Hunde sind Rudeltiere, deren Sozialverhalten zu einem wesentlichen
Teil durch Konfliktvermeidung bestimmt ist. Wenn zwischen uns und dem Hund Konflikte entstehen,
müssen wir den Fehler oft bei uns selbst suchen, denn dort liegt er in den allermeisten
Fällen<< (sinngemäß aus dem Buch: Calming Signals - Die Beschwichtigungssignale der Hunde - Rugaas, Turid, 2001 Animal Learn Verlag, ISBN 3936188017 ).
Kommunikation findet statt wenn ein Sender dem Empfänger einzelne Signale
übermittelt. Die Signale werden nur verstanden wenn beide sozusagen dieselbe Sprache sprechen.
Es ist die Aufgabe des Hundebesitzer zu lernen, die Signale des Hundes richtig zu
interpretieren, um angemessen darauf reagieren zu können und nicht umgekehrt, denn Hunde
können keine Bücher lesen.
Grenzen der Erziehung
| | Stress in der Hundeschule |
Was kann man nicht erwarten, wo sind die Grenzen und in welchen Situationen
ist Lernen für den Hund unmöglich? Viele Hundebesitzer haben eine zu hohe Erwartung an ihren
Hund und sind enttäuscht wenn sich diese nicht erfüllen. Hunde können wie wir Menschen Stress
haben oder/und krank werden, z.B. Rückenprobleme. Reagiert der Hund nicht sofort auf ein
Kommando weil ein Rückenproblem nicht erkannt worden ist, wird der Hund als stur abgestempelt.
Es sind aber die Schmerzen des Hundes, weswegen er das Gelernte nicht zeigen kann. Besteht der
Führer dennoch auf die Ausführung des Kommandos, gerät der Hund zusätzlich unter Stress.
Auch "Distress" macht den Hund krank (Magenprobleme usw..) und kann zu einer höheren
Bereitschaft für Aggression führen. Stress kann sich in allen Lebensbereichen manifestieren
auch beim Lernen mittels positiver Motivation. In vielen Hundeschulen mit Gruppenunterricht
halten die meisten Schüler nicht genügend Abstand zueinander. Sehr viele Signale (auch
aggressive) werden unter den Hunden ausgetauscht, die weder die Schüler noch der Kursleiter
bemerken respektive sehen wollen. Die Hunde haben halt zu funktionieren. Dass dabei viele
Hunde nicht lernen können, komplett blockieren und das Gelernte nicht zeigen, wird leider
übersehen.
Wir können den Stress bei Hunden reduzieren indem wir nicht Strafen, keine
harten Erziehungsmethoden anwenden (Leinenruck mit Stachelhalsband) und ihre
Individualdistanz respektieren - um nur Einiges zu nennen.
Konditionieren
Die Hunde lernen größtenteils durch Wiederholungen. Wenn ein Verhalten oft
genug wiederholt wird, entwickelt der Hund daraus eine Gewohnheit auch genannt, konditionierte
Reaktion. Man muss die konditionierten Reaktionen immer wieder üben und festigen. Haben Sie
Ihrem Hund ein Verhalten beigebracht durch überwiegend positive Motivation, müssen Sie ab
und zu Ihren Hund wieder Loben und Belohnen damit er das gewünschte Verhalten beibehält.
Umgekehrt müssen Sie Ihren Hund ab und zu Strafen, damit er das Erlernte zeigt. Es liegt an
Ihnen wie Sie Ihren Familienhund lehren.
Weiter geht es mit Gefahren beim Strafen
und mit Konditionieren (Lernen).
| Chayade 11 Wochen und Cyrus 5 Jahre
Was meinen Sie? Ist es besser die beiden Lümmel positiv oder negativ zu Erziehen?
Und was ist besser für Sie selbst? |
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