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Erziehung - Aktuelles Wissen

Irrtümer

Seit Jahrzehnten halten sich in den Köpfen vieler Hundehalter hartnäckig einige "Irrtümer", die schon viele Probleme im Umgang mit dem Hund heraufbeschworen haben. Wir haben einige dieser "Irrtümer" aufgegriffen und wollen sie Ihnen vorstellen:

"Mein Hund ist stur, der kann das sehr gut, er will mich bloß ärgern."

Kennen Sie das? Sie haben fleißig zu Hause mit Ihrem Hund z. B. "Sitz" usw. geübt. Am Sonntag besuchen Sie Ihre Schwiegermutter und wollen ihr das Geübte zeigen, aber es funktioniert nicht. Sofort heißt es: "Der will dich nur blamieren und ärgern - ich hatte auch so einen - der braucht eine starke Hand".

Das ist Quatsch! Hunde lernen situations- und ortsbezogen. Sie verknüpfen ihre gesamte Umgebung mit der Übung. In einer anderen Umgebung müssen sie erst lernen, dass das selbe Signal auch das gleiche bedeutet. Auch wenn sie stark abgelenkt werden oder sehr aufgeregt sind, sind sie nicht in der Lage uns richtig zu verstehen.

Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass der Hund erst nach ungefähr 5000 Wiederholungen die Übung richtig beherrscht.

Legen Sie sich mal mit dem Bauch auf den Boden und versuchen Sie Ihren Hund mit dem üblichen Signal ins "Sitz" zu bringen. Wenn das klappt können Sie davon ausgehen, dass sie der Hund wirklich versteht.

"Übungen die 100%ig funktionieren sollen, muss man Absichern."

Diesen Satz hört man sehr oft im Hundesport. Positive Bestärkung schön und gut aber..... Wenn der Hund seine Übung zuverlässig zeigen soll, muss man diese Absichern. Das heißt, richtiges Verhalten wird belohnt, aber befolgt der Hund nicht sofort ein Signal, hat dies unangenehme Folgen für ihn. Z. B. "Sitz": Setzt der Hund sich auf das Signal nicht sofort hin, wird er hinuntergedrückt. Nur das führt zum Erfolg ist die weit verbreitete Meinung.

Anne-Lill Kvam
Anne-Lill Kvam,
eine der weltweit besten Hundetrainerinnen
(Spezialgebiet Nasenarbeit "Nosework - Brainwork").

Dass das so nicht stimmt, sieht man gut an dem Beispiel der Minensuchhunde in Angola. 1997 ist die Norwegerin Anne-Lill Kvam mit mehreren anderen Hundetrainern aus verschiedenen Ländern von einer Hilfsorganisation beauftragt worden, Minensuchhunde auszubilden. Sie selber trainierte die Hunde auf der Basis positiver Bestärkung, die anderen Trainer hatten jedoch ganz andere Trainingsmethoden. Es musste ein gemeinsamer Nenner gefunden werden, denn von den Hunden erwartete man eine hundertprozentige Zuverlässigkeit. Nicht nur das Leben der Hunde, sondern auch das der Menschen die mit den Hunden in die Minenfelder gingen, waren von den Reaktionen der Hunde abhängig. Man konnte nicht riskieren, dass der Hund auch nur die geringste negative Verknüpfung mit dem zu suchenden Sprengstoff verbindet.

Es wurde daher auf alle Strafreize verzichtet. Der Erfolg bestätigte die Vorgehensweise - weder Menschen noch Tiere wurden verletzt oder getötet.

"Das ist ein Welpe, dem passiert nichts - oder ist Ihrer nicht normal?"

Die weitverbreitete Meinung vom Welpenschutz ist falsch. Welpenschutz existiert nur innerhalb seiner Hundefamilie. Welpenschutz bedeutet, dass kein erwachsener Hund einem Welpen was tut. Im Normalfall ist Ihr Welpe schon lange von seiner Mutter und seinen Geschwistern getrennt, wenn Sie mit ihm "Gassi gehen". Zwischen fremden Hunden besteht kein Welpenschutz. Das bedeutet auch, selbst wenn Sie den Nachbarshund schon lange kennen, heißt das noch lange nicht, dass dieser Ihren neuen Welpen akzeptiert.

Hunde, die sich nicht alles gefallen lassen, sind durchaus im Recht. Passen Sie auf Ihren Welpen auf und lassen Sie ihn nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Hundebesitzer zu anderen Hunden hinlaufen. Viele Hunde haben auf diese Art und Weise eine schlechte Erfahrung gemacht, die sie für ihr Leben geprägt hat. Solche Hunde können später oft nie mehr einen normalen Kontakt zu Artgenossen aufnehmen. Bitte denken Sie immer daran, freche, aufgeweckte Welpen werden besonders von erwachsenen Hündinnen rüde angepackt! Der Welpenstatus gilt übrigens nur maximal bis ca. 16 Wochen; anschließend gilt der Hund als Junghund.

"Der weiß genau was er gemacht hat."

Jeder Hundehalter kennt bestimmt diese Situation: Man kommt nach Hause und findet eine schöne Bescherung. Die Schuhe sind angenagt - das Toilettenpapier über die ganze Wohnung verstreut - die Daunendecke ist zerrissen usw. .... Der Hund kommt geduckt angeschlichen - er hat ein schlechtes Gewissen, er will sich entschuldigen.

Falsch, das ist nicht so - ein weiteres, viel verbreitetes Vorurteil! Hunde haben keine Moral und können nur Dinge miteinander verknüpfen, die maximal 2 Sekunden zurückliegen. Sie sind nicht in der Lage, unsere Schimpftirade mit ihren Missetaten in Verbindung zu bringen, da diese schon längere Zeit zurückliegen. Sie spüren lediglich, dass Ärger im Raum steht und versuchen von vornherein zu Beschwichtigen.

Warum es Ärger gibt, können sie nicht verstehen. Hat man mehrere Hunde, kann man feststellen, dass auch der Hund beschwichtigt, der mit den Missetaten überhaupt nichts zu tun hat. Die Hunde verknüpfen nur das Nachhausekommen des Besitzers mit Strafe!

"Weil Ihrer an der Leine gehen muß, ist er so aggressiv."

Hat man einen Hund der keine anderen Hunde mag und dies auch aggressiv zeigt, muss man vorbeugend Handeln und ihn in verschiedenen Situationen an die Leine nehmen. Mag Ihr Hund z. B. keine anderen Rüden oder hat er prinzipiell Angst vor anderen Hunden, weil er in der Welpenzeit schlechte Erfahrung gemacht hat, dann sollte er bei Hundebegegnungen an der Leine geführt werden und möglichst nicht zu nah an den fremden Hund herandürfen.

Bitte bedenken Sie, dass der Besitzer des fremden Hundes seine Gründe hat, warum er seinen Hund an der Leine führt. Lassen Sie die Hunde erst nach Übereinstimmung mit dem anderen Besitzer spielen, auch zur eigenen Sicherheit. Sowohl in Luxemburg als auch in Deutschland wird rechtlich gesehen immer derjenige Halter zur Verantwortung herangezogen, dessen Hund ohne Leine zum anderen Hund hingerannt ist, auch wenn dieser "nur spielen wollte".

"Hunde machen das unter sich aus, einmal die Rangordnung geregelt und alles ist OK."

Dies hört man sehr oft, wenn sich zwei Rüden streiten. Bleibt es bei einem kurzen kleineren Streit, ist das in Ordnung. Leider ist Aggression erlernbar. Hat Ihr Hund schon Probleme und fängt mit vielen Hunden Streit an, ist Ihr Eingreifen erforderlich. Denn mit jedem Erfolg, den Ihr Hund bei solchen Streitereien hat, wird seine Strategie besser und er kann sich zu einem Beißer entwickeln. Auch der typische Ratschlag "der braucht nur einen der ihn unterwirft" ist sehr gefährlich. Selbst wenn Ihr Hund auf einen Stärkeren trifft, wird er nicht aufhören, denn er hat in vielen Situationen schon gelernt, dass Aggression sich lohnt.

Mag Ihr Hund keine anderen Hunde, bieten Sie ihm Schutz, achten Sie auf seine persönliche Individualdistanz damit er nicht von anderen bedrängt wird. Tun Sie das nicht, wird er aggressiv.

"Diese Rasse ist schwer zu erziehen."

Gehört der Hund zu einer speziellen Rasse, wie Terrier, Dackel, Beagle, Schlittenhund, Windhund, Herdenschutzhund usw., hört man oft: "Der ist stur", "eigenständig" oder "schwer bis gar nicht erziehbar". Oft hat man den Eindruck sämtliche Rassen seien nicht zu erziehen, außer Schäferhunde und evtl. noch die Retriever. Es gibt die perfekte Entschuldigung: "Mit dieser Rasse kann man nicht mehr erreichen" oder was ganz schlimm ist: "Der ist eben stur, man muss sich ordentlich durchsetzen, damit es klappt". Dann wird zu unerlaubten Mitteln gegriffen damit der Hund funktioniert.

Jeder Hund jeder Rasse ist erziehbar! Alle Hunde kennen Pawlow und Skinner . Forscher fanden einen ganz erheblichen Unterschied darin, wie die Lehrer aufgrund ihrer Erwartung lehrten: Gilt der Schüler als intelligent macht aber Probleme, muss es daran liegen, dass der Stoff nicht richtig vermittelt wird. Die Lehrer arbeiteten also verstärkt an sich und an ihrer Art die Unterrichtsinhalte zu vermitteln und hatten auf diese Weise Erfolge. Gilt der Schüler als untalentiert sahen sich die Lehrer nicht veranlasst, ihren Unterricht zu verändern - die Ergebnisse fielen entsprechend schlecht aus.

Ein ähnliches Phänomen trifft wohl auf uns Hundebesitzer zu: Unsere Erwartungen beeinflussen unser Handeln und unsere Erfolge, die wir in der Zusammenarbeit mit unserem Hund haben.

Es gibt natürlich rassespezifische Unterschiede, aber wir können keinen Hund als stur, dumm, dominant usw. ... bezeichnen. Jeder Hund kann erzogen werden, es liegt nicht am Hund oder der Rasse, sondern der Fehler liegt an unserem Umgang mit dem Hund, wenn dieser nichts gelernt hat. Es liegt an unserem Können und an unserer Kreativität den Hund so zu motivieren, dass er bereit ist, mit uns zusammen zu arbeiten.

"Der Hund soll auf Sie Hören, weil Sie der Chef (Alpha) sind, und nicht weil Sie ihn mit Leckerchen bestechen."

Mal ganz ehrlich, warum soll der Hund das tun? Warum soll der Hund Sie als Chef respektieren? So wie Sie für Geld arbeiten, tut der Hund auch nur das was sich für ihn aus seiner Sicht lohnt. Jedes Lebewesen, Menschen eingeschlossen, tut nur das was sich lohnt. Motivieren wir den Hund mit dem richtigen Leckerchen, wird es sich aus seiner Sicht lohnen und er wird das von uns gewünschte Verhalten öfters zeigen. Es lohnt sich auch Nachteile zu vermeiden. Beim Menschen z. B. - langsamer durch eine Ortschaft zu fahren, damit man keine Strafe zahlen muss. Beim Hund z. B. sofort zu Herrchen zu laufen statt zu Jagen, wenn er gerufen wird, um der Strafe, mit dem Sprühhalsband oder Schlimmerem, zu entgehen .

Erziehen kann man auf zwei Arten:
Positive Bestärkung:der Hund wird für sein Verhalten belohnt oder
Strafe:der Hund wird für sein Verhalten bestraft.

Rein biologisch gesehen sucht jedes Lebewesen seinen Vorteil! Mit diesem Wissen haben wir Einfluss auf das Verhalten des Hundes.

Ob wir uns für eine positive Motivation bei der Erziehung unseres Hundes entscheiden oder mit Meidemotivation arbeiten, hat nicht nur mit unserem Wissen zu tun (beide Motivationen funktionieren richtig angewandt), sondern auch mit unserer Einstellung und unserem Respekt vor einem anderen Lebewesen.

Machen wir uns nichts vor. Wenn ein Hund mitarbeitet um Unannehmlichkeiten zu entgehen, würde doch auch keiner auf den Gedanken kommen: "Der Hund arbeitet für uns, weil wir der Alpha sind und weil er uns respektiert und liebt".

"Wenn ich Leckerchen benutze, dann muss ich mein Leben lang mit Leckerchen rumlaufen."

Es ist eins der größten Vorurteile bei positiver Motivation. Viele Leute welche den Einsatz von Leckerchen als Motivation ablehnen, belohnen ihren Hund mit einem Ballspiel. Der Vorteil von Leckerchen ist offensichtlich, weil einfacher zu handhaben. Leckerchen muss man dem Hund nicht wieder wegnehmen. Die Pausen sind kürzer als wenn man jedes Mal den Hund mit einem Spiel belohnt. Hund und Besitzer bleiben besser konzentriert.

Beim Training mit Leckerchen, Spielzeug usw. wird dem Hund ein Verhalten gelernt, das er auf ein Signal hin zeigen soll, z.B. "Sitz", "Platz", "Fuß" usw.. Hunde können sich setzen, hinlegen und langsam gehen. "Sitz" tun sie manchmal ganz von selbst, da braucht es nicht viel Motivation. Bei "Fuß" oder "langsames Gehen" braucht der Besitzer schon mehr Kreativität und Geduld um das seinem Hund zu lehren.

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Der Weg, wie man seinen Hund lehrt, ist immer gleich, egal ob man Leckerchen benutzt oder Strafe, wie z. B. einen Ruck am Halsband damit der Hund "Fuß" gehen lernt. Zuerst bestärkt (belohnt oder straft) man die neue Übung immer, entweder mit Leckerchen oder Ruck, dann beginnt man die Bestärkung abzubauen und variabel zu Bestärken. Das bedeutet, dass der Hund nur mehr ab und zu sein Leckerchen bekommt oder eine andere Belohnung (Lob z.B. reicht bei vielen Hunden später aus). Hat man die andere Form von Bestärkung gewählt wird der Hund nur noch ab und zu (variabel) mit einem Leinenruck erinnert. Auch hier reicht später bei vielen Hunden ein scharf ausgesprochenes "Fuß". Ein völliges Ende von Strafe (Ruck oder ein scharfes Zurechtweisen) oder Belohnung (Leckerli, Lob, streicheln) gibt es nicht, denn dann würde der Hund das gewünschte Verhalten nicht mehr zeigen. Wie lange würden Sie arbeiten gehen ohne einen Lohn dafür zu bekommen? Also, Verhalten (Sitz, Platz, Fuß, usw..) das für den Hund keinerlei Konsequenzen (Leckerli, Lob, Strafe) mehr hat, ob positiv oder negativ, vergisst er mit der Zeit, oder anders ausgedrückt, Ihr Hund reagiert nicht mehr auf Ihr Signal.

Wie oben schon erwähnt, beide Wege in der Erziehung ob positiv oder negativ funktionieren gleich gut. Es ist Sache der Einstellung der Hundebesitzer welchen Weg sie wählen um ihren Hund zu erziehen. Nachteile gibt es bei beiden Methoden. Positive Bestärkung nicht richtig angewandt schadet nicht, außer der Hund gehorcht noch immer nicht. Will man die positive Bestärkung richtig anwenden ist man meistens auf sich alleine gestellt. Auch Hundeschulen mit "sanfter Erziehung" arbeiten oft noch mit Meidemotivation. Negative Bestärkung falsch angewandt ist fatal und schon viele Hunde mussten eingeschläfert werden, weil sie ihren Besitzer gebissen haben. Der größte Nachteil bei der negativen Bestärkung, auch richtig angewandt, ist die Art und Weise wie Hunde lernen. Wie schon des Öfteren erwähnt - aber man kann es wohl nicht oft genug wiederholen - man weiß nie welche Verknüpfungen stattfinden und ob der Hund die Strafe nicht mit einem Kind, einer anderen Person oder einem Tier verbindet.

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