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Erziehung - Allgemein
Konditionieren (Lernen)
Lernen findet über Verknüpfungen (Assoziationen) statt. Damit der Hund die
Übungen erfolgreich lernt, müssen diese öfters wiederholt werden - das nennt man dann
Konditionieren. Will man erreichen, dass sich der Hund auf das Kommando "Sitz" hinsetzt,
müssen verschiedene Informationen im Hundegehirn miteinander verknüpft werden. Diese
Verknüpfungen entstehen, wenn alle Elemente der entsprechenden Übung in einem zeitlichen
Zusammenhang stattfinden. Am Beispiel "Sitz" ist dies das Signal "Sitz" und die Reaktion
des Hundes "Hinterteil auf den Boden setzen". Bekommt der Hund dann sofort noch eine
Bestärkung (Belohnung), wird er dieses Verhalten öfters zeigen. Konditionieren bedeutet
auch Training durch Bestärkung.
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Tibor macht "Sitz" auf Distanz, läßt sich jedoch noch Ablenken.
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Bei der klassischen Form des Lernens (klassische Konditionierung) lernt der
Hund über Verknüpfungen (Assoziationen). Er lernt automatisch und unbewusst. Bei der operanten
Form des Lernens (Operante Konditionierung) lernt der Hund durch Ausprobieren, Erfolg oder
Misserfolg. Beide Formen des Lernens treten nebeneinander auf. Als Gemeinsamkeit haben sie,
dass ein Umlernen (Gegenkonditionierung ) möglich ist.
Es gibt eine wichtige Regel beim Lernen (Konditionieren) eines neuen Verhaltens.
Die Regel lautet: DAA (D = Dauer, A = Abstand, A = Ablenkung)
Wenn man dem Hund ein neues Verhalten lernt, darf man nur langsam die
Anforderungen erhöhen. Beispiel: Lernt man dem Hund das "Bleib" (alleine bleiben auf einem
bestimmten Platz), beginnt man zuerst mit der Dauer, aber man arbeitet ohne Abstand und ohne
Ablenkung. Dann erhöht man langsam die Dauer des Bleibens bis der Hund die gewünschte Zeit
liegen bleibt; dann beginnt man mit einem größer werdenden Abstand am gleichen Ort zu Trainieren. Hat man dieses Ziel erreicht, beginnt man das Ganze unter Ablenkung zu Trainieren.
Wie schon besprochen, beruht hündisches Lernen größtenteils auf
Wiederholungen. Damit die "Schüler" das Grundprinzip des Lernens besser verstehen und
um Missverständnisse zu vermeiden wäre es wichtig , dass sich sämtliche Hundeschulen und
deren Ausbilder auf eine Sprache einigen würden.
Hier einige der wichtigsten Begriffe der modernen Hundeerziehung:
Klassische Konditionierung
Der Hund lernt über "ja" oder "nein"; es ist ein Lernen von Zusammenhängen.
Auf einen Reiz erfolgt eine Reaktion. Ist der Reiz positiv, wird der Hund seine Handlungen
wiederholen. Bei einem negativen Reiz wird der Hund seine Handlung abbrechen. Das heißt, ein
beliebiger Reiz der für den Hund normalerweise keine Bedeutung hat, bekommt über bestimmte
Lernvorgänge eine positive oder negative Bedeutung.
Operante Konditionierung
Ein Hund lernt ein bestimmtes Verhalten in einer bestimmten Situation durch
die Wirkung, die er mit diesem Verhalten auslöst. Der Hund lernt bewusst an den Folgen seines
Tuns. Beispiel: Zeigt der Hund eine Handlung die nichts mit seinem Frauchen/Herrchen zu tun
hat und bemerkt er dabei, dass diese(r) positiv auf seine Handlung reagiert, wird er sie
wiederholen. Es ist ein Lernen durch Ausprobieren.
Positiver Verstärker
Dem Hund wird etwas Positives zugefügt. Es ist ein Lob, eine Belohnung
(Leckerli, Spielzeug usw.)
Negativer Verstärker
Als negativer Verstärker wird in der Hundeerziehung eine Belohnung definiert,
bei der dem Hund etwas Unangenehmes entzogen wird. Um so etwas durchzuführen, wird dem Hund
erst eine positive (additive) Strafe zugefügt. Beispiel: Ich drücke den Hund solange auf sein
Hinterteil bis er sitzt, dann lasse ich ihn los. Er soll so lernen, dass er den unangenehmen
Druck auf das Hinterteil vermeiden kann, wenn er sich hinsetzt. Dies ist nur ein Beispiel aber
keine Empfehlung.
Positive (additive) Strafe
Dem Hund wird etwas Unangenehmes zugefügt: Schläge, Leinenruck, Druck auf das
Hinterteil usw. Es ist die schlimmste Form von Strafe. Solche Maßnahmen, ob leicht oder stark,
braucht man nicht in der Ausbildung des Hundes anzuwenden. Es geht auch anders!
Negative Strafe
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Rex im "Platz" ohne Ablenkung.
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Dem Hund wird etwas Angenehmes entzogen. Es handelt sich eher um eine
indirekte Strafmethode. Beispiel: Aufmerksamkeitsentzug. Der Hund springt Sie zur Begrüßung an.
Sie drehen sich um und ignorieren ihn. Oft wird diese Art der Strafe missbräuchlich eingesetzt
und der Hund wird über einen längeren Zeitraum isoliert. Als Ursache seines Fehlverhaltens
wird oft ein Dominanzproblem diagnostiziert und die Isolation soll ihn heilen. Beispiel:
Der Hund verteidigt sein Futter oder das Canapé. Dies wird von vielen Leuten als ein
Rangordnungsproblem angesehen. Das ist nicht der Fall! Aus Sicht des Hundes ist es ganz
normal dies zu tun. Aus Sicht des Menschen ist es unerwünscht. Isoliert man den Hund für
dieses unerwünschte Verhalten, versteht er die Strafe nicht und lernt kein Ersatzverhalten.
Isolation bedeutet schlichtweg Misshandlung und führt nie zum gewünschten Erfolg.
Verknüpfen
Die klassische wie auch die operante Konditionierung sind Formen des
assoziativen Lernens. Im Gehirn werden verschiedene Verknüpfungen hergestellt. Nur innerhalb
von o,5-2 Sekunden kann eine Verknüpfung entstehen. Man kann nicht genau vorhersagen, welche
Verknüpfungen sich in den unterschiedlichen Augenblicken im Gehirn des Hundes bilden. Straft
man den Hund in Gegenwart eines Kindes, kann man nie sicher sein ob er die Strafe nicht mit
dem Kind in Verbindung bringt.
Signaleinführung
Der Hund lernt das Verhalten mit einem Signal zu verknüpfen, d.h. der Hund
lernt, dass z.B. das Wort "Platz" hinzulegen bedeutet.
Signalkontrolle
Der Hund lernt, dass er nur dann das Verhalten zeigen soll, wenn ein Signal
ertönt, sonst hat er keine Chance auf eine Belohnung. Am Anfang des Trainings wird der Hund
immer bestärkt wenn er sich von selbst hingelegt hat. Jetzt bekommt er nur seine Belohnung,
wenn wir ihn dazu auffordern sich hinzulegen.
Variable Bestärkung
Der Hund wird nicht mehr für jede richtige Ausführung belohnt, sondern
nach dem Zufallsprinzip. Hier lernt der Hund auch zu gehorchen ohne Leckerli.
Generalisierung
Der Hund soll lernen, das Signal und das dazugehörige Verhalten immer und
überall zu zeigen. Dies ist nicht immer realisierbar. Verlangen Sie nie von Ihrem Hund z.B.
ein "Platz" in einer Situation in der Sie es ihm noch nie gelehrt haben. Generalisieren ist
zeitaufwendig da Hunde sehr ortsgebunden lernen.
Ein perfekter Hund?
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| Fliegender Floh |
Sie haben Ihr Ziel erreicht. Ihr Hund kommt jedes Mal wenn Sie ihn
beispielsweise rufen. Sie haben einen gehorsamen Hund. Aber wird Ihr Hund jedes Mal genau
das tun, was Sie ihm sagen? Keine konditionierte Reaktion ist sichergestellt. Wesen, mit
ausgebildetem Gehirn können denken. Sie können sich gegen die Konditionierung sträuben.
Sie selber können Fehler machen. Darum dürfen Sie das Erlernte nicht als eine Garantie
ansehen. Verlassen Sie sich niemals auf eine konditionierte Reaktion in gefährlichen
Situationen. Man muss immer wieder üben, damit der Hund zuverlässiger gehorcht. Übungen
welche auf einem positiven Weg aufgebaut werden, machen Spaß und verstärken die erwünschten
Verhaltensweisen Ihres Hundes. Es treten weniger Probleme auf. Ihr Hund wird selbstsicherer
wenn er etwas tut das er kennt und wofür er sich ein Lob verdienen kann.
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