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Muppisches - Zeitgeschehen

Luxemburg, den 1. März 2004

Hunde, ihre Besitzer und das Gesetz

Als die Hundebesitzer am 10.12.2002 die Meinung des Staatsrates über das Gesetzesprojekt für Hunde erfuhren, waren viele erleichtert. Der Staatsrat lehnte fast den gesamten Entwurf ab ( Avis du Conseil d'Etat: Projet de loi relatif aux chiens). Und dies mit gutem Grund. Die Strafen standen in keinem Verhältnis zum Vergehen. Auch artgerechte Hundehaltung wäre nicht mehr möglich gewesen. Wenn jetzt jemand glaubt, dieses Projekt würde geändert werden oder in der Schublade des Agrarministers verstauben, der irrt sich gewaltig!

Als die Debatte im Parlament über die Aufnahme des Tierschutzgesetzes ins Grundgesetz statt fand, konnte man sich leider davon überzeugen, dass der Herr Minister Boden seine Meinung noch nicht geändert hatte. Besonders was bestimmte Rassen anbelangt, welche der Minister wegen ihrer Rassezugehörigkeit als gefährlich einstuft. Der Agrarminister ist noch immer überzeugt, dass ein Biss von einem Pittbull gefährlicher sei als der von einem Dackel. Aus seiner Sicht stimmt das wohl. Aus der Sicht eines Kindes von fünf Jahren kann der Biss eines Dackels genauso verheerend sein wie der eines größeren Hundes. So überrascht es wirklich keinen, dass dieses Projekt nicht begraben wurde. In etwas abgemilderter Form liegt ein neuer Gesetzesentwurf (PDF-Datei) zur Verabschiedung in der kommenden Legislaturperiode vor.

Es ist bewiesen, dass die meisten Unfälle mit Hunden in der Familie oder im Bekanntenkreis vorkommen. Vorwiegend sind Kinder und ältere Menschen betroffen. Der Hund der zubeißt ist den Leuten wohl bekannt. Unfälle, wie der in Hamburg, passieren wenn der Gesetzesgeber schlampt. Die Besitzer waren schon des öfteren auffällig geworden. Man hätte nur das bestehende Gesetz anwenden sollen und nichts wäre passiert. Dieselbe Lage haben wir hier in Luxemburg. Wir brauchen kein neues Gesetz, die Bestehenden müssen nur angewandt werden.

In vielen Staaten wurde, wie hier in Luxemburg, geplant, Gesetzesänderungen vorzunehmen; z.B. in Deutschland. Dort wurden von den Bundesländern Gesetzestexte beschlossen, die fast alle vom Bundesgerichtshof annulliert wurden, nachdem engagierte Hundebesitzer geklagt hatten. Über das zwischenzeitlich entstandene Unheil spricht keiner der Verantwortlichen! In Staaten, in denen schon länger ein verschärftes Hundegesetz besteht, kann man heute feststellen, dass diese Gesetze keine Wirkung zeigen. Gravierende Unfälle bis hin mit Todesfolge passieren trotz verschärftem Gesetz immer wieder.

Unserer Meinung nach brauchen wir kein neues nutzloses Gesetz für den Hundehalter, sondern mehr Kontrolle in der Hundezucht, den Hundeschulen und mehr Wissen in der Hundehaltung!

Vergleicht man das französische Gesetz mit dem Luxemburger Projekt wird man feststellen, dass die Texte bis auf wenige Punkte übereinstimmen, außer dass wir Luxemburger bei einem Gesetzesverstoß wesentlich höhere Strafen bekommen. Das ist mehr als beängstigend für uns Hundebesitzer. Viele Hundebesitzer haben ihren Ärger in Form von Leserbriefen veröffentlicht. So auch das Team von  Muppen  A B C  (Dezember 2002). Leider wurde der Leserbrief von der größten Tageszeitung Luxemburgs nicht veröffentlicht, warum? Machen Sie sich hier selber ein Bild davon.

Bereits seit über zwei Jahren warten die Hundebesitzer mit Bangen auf dieses neue Gesetz . Das Agrarministerium scheint selbst verunsichert zu sein, oder warum lässt man sich so viel Zeit.

Trotz verschärfter Gesetzgebung in den verschiedenen Ländern hat sich dort nichts gerändert. Jeder weiß, auch ein nicht Hundekenner, dass man mit solchen Gesetzen diese schrecklichen Beißunfälle nicht verhindern kann.

Was ist dann die Zauberformel um in Zukunft diese Unfälle zu minimieren? Ganz ausschließen kann man Beißunfälle mit Hunden wohl kaum, außer die Gesellschaft verzichtet ganz auf die Hundehaltung und damit auch auf die positiven Seiten, die eine Hundehaltung bietet, wie z.B. Drogenspürhunde, Rettungshunde, Blindenhunde, Therapiehunde um nur einige Spezialisten unter den Hunden zu nennen. Die pädagogische Wirkung der Hunde auf die Erziehung von Kindern ist bekannt. Sie entwickeln mehr Verantwortungsbewusstsein als Kinder die ohne Hunde aufwachsen. Auch in Altenheimen zeigt sich die positive Wirkung von Hunden auf die Menschen. Die Leute nehmen wieder am Leben teil. Nicht zu vergessen die alleinstehenden Menschen, bei denen der Hund die einzige Verbindung zur Außenwelt darstellt. Menschen, die regelmäßig mit ihren Hunden spazieren gehen, sind weniger krank und entlasten dadurch die Krankenkassen. Soll die Gesellschaft von den positiven Seiten der Hundehaltung profitieren, muss man den Hundebesitzern die Möglichkeit lassen ihre Tiere artgerecht zu halten. Zu einer artgerechten Hundehaltung zählt z.B. auch der regelmäßige Spaziergang ohne Leine.

Was kann man also tun, um die Beißunfälle drastisch zu reduzieren? Die Zauberformel heißt Sozialisation. Ein Hund, der Kinder jeden Alters von ihren positiven Seiten in den ersten 16 Wochen seines Lebens kennen gelernt hat, wird sie wohl nie mit einer Jagdbeute verwechseln. So wie ein trauriger Unfall erst kürzlich wieder in Frankreich passiert ist. Dort hat einer der zwei Familienhunde ein neugeborenes Baby in seinem Zimmer getötet, während die Eltern im Wohnzimmer beim Fernseher schliefen.

Die Sozialisation beginnt schon beim Züchter! Hier muss der Gesetzgeber regulierend eingreifen! Eine so wichtige Aufgabe soll nicht alleine bei den Vereinen und Verbänden bleiben.

Dies erfordert allerdings etwas Aufwand. Das vom Staatsrat abgelehnte Gesetzesprojekt ist aber auch nicht "ohne", wenn man bedenkt, dass die Inhaftierung einer einzigen Person für 2 Jahre den Staat auch viel Geld kostet.

Der Hundebesitzer hat maximal nur noch 8 Wochen zur Verfügung um seinen Hund gut zu sozialisieren. Alles was der Hund in den ersten Wochen seines Lebens von der positiven Seite kennen lernt, wird er später nicht fürchten und somit besteht auch keine Gefahr für die Umwelt, außer er macht in dieser wichtigen Zeit eine schlechte Erfahrung.

Der Gesetzgeber könnte z. B .jedem zukünftigen Hundebesitzer, der bereit ist eine theoretische Prüfung über sein Wissen abzulegen,

als Motivation von der Hundesteuer befreien .

Vom Hundeführerschein halten wir überhaupt nichts. Wie soll das funktionieren? Wenn man durchfällt muss man seinen Hund abgeben? Es geht hier schließlich um Lebewesen und nicht um Autos. Und wer kauft schon sein Auto bevor er den Führerschein bestanden hat? Im Gesetzesvorschlag wurde auch darauf hingewiesen , dass einige Hundebesitzer mit ihrem Hund regelmäßig alle drei Jahre einen Kurs belegen müssen. Wie soll so ein Kurs aussehen? Lernt der Besitzer jetzt unter staatlicher Kontrolle seinem Hund die gängigen Kommandos beizubringen, wie Sitz, Bleib, Fuß usw. ...? Und wer kontrolliert die Hundeschulen? In vielen Hundeschulen oder Kursen welche in Vereinen angeboten werden, wird der Hund noch immer auf mehr oder weniger brutale Art dressiert. Wird der Hund gequält, egal ob das bei seiner Ausbildung oder sonst wo passiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein derartig dressierter Hund früher oder später aggressiv wird.

Wirft man einen Blick über die Grenzen zu unseren Nachbarn, findet man Hundeverhaltens-Experten auch "vet. comportementaliste" genannt. Ihre ganzen Verhaltensratschläge basieren leider überwiegend auf einer veralteten Rudel-Theorie. Dass unsere Hunde vom Wolf abstammen ist heute so gut wie bewiesen, das bestreitet niemand mehr. Heute gibt es wissenschaftliche Studien von Mech und Coppinger die belegen, dass Hunde wie Wölfe nicht in einer linearen Rudelstruktur leben (wie von Zimen und anderen Wolfsforschern behauptet wurde), sondern in einem Familienverband. Leider wird immer noch von vielen Tierärzten Hundebesitzern mit schwierigen Hunden empfohlen, ihren Hund über einen längeren Zeitraum total zu ignorieren. Mit dieser Methode wird man das Aggressionsproblem des Hundes nicht in den Griff bekommen. Der Schuss wird leider nach hinten los gehen. Das Ignorieren ist für den Hund der reine Psychoterror, er wird mehr oder weniger instabil und damit unberechenbar. Wir Hundebesitzer können nur hoffen, dass wir nie durch ein Gesetz gezwungen werden, Ratschläge von solchen Experten annehmen zu müssen.

Unserer Meinung nach müssten sämtliche Hundeschulen vom Staat kontrolliert werden und sämtliche Kursleiter müssten ebenfalls auf ihr Wissen geprüft werden. Dabei müssten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Art Hund und wie Lebewesen lernen, die Grundlage sein. Fehlendes Wissen erzeugt Gewalt in der Hundeerziehung. Will man ernsthaft Beißunfälle reduzieren, muss die Erziehung und Ausbildung der Hunde mit positiver Motivation durchgeführt werden. Auf Strafe sollte nur in sehr seltenen Fällen zurückgegriffen werden.

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Politiker behauptet, unsere Nachbarländer würden uns Luxemburger beneiden. Als Hundebesitzer wären wir glücklich, wenn unsere Miteuropäer uns für ein fortschriftliches Hundegesetz , das unserer Gesellschaft nützt und uns alle besser schützt, beneiden würden.

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