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Erziehung - Strafen

Das Elektroreizgerät (Teletakt-Gerät)

oder heiligt der Zweck die Mittel?

Das Teletakt-Gerät: "Teletakt" war der Modellname des ersten Elektroreizgerätes für Hunde. Heute ist der Begriff "Teletakt-Gerät" das Synonym für alle Elektroreizgeräte. Es ist im Regelfall ein Halsband, das ferngesteuert (über Funk) Elektroschläge, einer oft einstellbaren elektrischen Feldstärke, Impulsanzahl und Impulsdauer, ausführen kann. Optional können oft auch Vibrationen ausgelöst werden. Spezielle Ausführungen lösen beim Bellen des Hundes automatisch aus.
 

Teletakt-Gerät
Teletakt-Gerät mit
Funkfernsteuerung.

Die immer wiederkehrende Frage bei der Hundeerziehung lautet Brauchen wir Elektroreizgeräte (Teletakt-Gerät) bei der Hundeerziehung und bei der Umerziehung von bestimmten Problemen? Die Befürworter des Einsatzes des Teletakt-Gerätes sind oft unter Jäger und Hundesportler zu finden. Glaubt man diesen Befürwortern, kann man heute ohne Stromschlag keinen Hund mehr vernünftig ausbilden. Einige Hundebesitzer setzen diese Geräte nur bei verschiedenen unerwünschten Verhaltensweisen von ihren Hunden, wie z. B. Streunen oder dem Jagdtrieb, ein. Elektrozaun und Teletakt-Gerät werden oft empfohlen - das Resultat kann man hier begutachten. Als Ausrede wird angegeben, sie könnten sonst dem Hund kein artgerechtes Leben bieten (lebenslanger Leinenzwang), da ihr Familienhund immer wieder unerlaubt jagen geht. Gerne wird auch argumentiert, dass es beim Einsatz des Teletakt-Gerätes seitens eines Fachmannes, zu keinen Problemen kommt. Dass man den übertriebenen Jagtrieb seines Hundes auch anders in den Griff bekommt, können Sie hier (Anti-Jagd-T.) lesen.

Die Diskussion über das Für und Wider von Elektroschocker wird überwiegend emotional geführt. Eigentlich gibt es ausgezeichnete Gutachten von anerkannten Fachleuten, die klar aussagen, dass diese unangemessenen Straf- oder Trainingsmethoden zur Neurosen, Magen-Darm-Geschwüren, Herzerkrankungen, Schlafstörungen usw. führen können, um nur einige aufzuzählen. Auch erlernte Hilflosigkeit steht auf dieser langen Liste. Leider ist dies von den Befürwortern oft gewollt und wird dann mit Gehorsam verwechselt.

Hunde haben ein hochentwickeltes Gehirn, sind soziale Lebewesen und leben in sozialen Gruppen in denen sie nicht linear organisiert sind. Sie kommunizieren untereinander und sind zu Emotionen fähig. Sie sind total abhängig von uns und wir tragen die volle Verantwortung was mit ihnen passiert. Wer sich für den Einsatz eines Teletakt-Gerätes entscheidet, nimmt ein erhebliches Leiden in Kauf. Es ist nicht "nur" eine Sache der Ethik auf solche Geräte zu verzichten. Sie sind auch in mehreren Ländern verboten - so wie hier in Luxemburg (PDF-Datei Seite 656-658). Und das sicher nicht grundlos. Seit Ende Februar 2006 ist die Anwendung des Teletakts auch in Deutschland verboten (Urteil des BVerwG).

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Hier ein Auszug aus dem Buch: Grundlagen einer tierschutzgerechten Ausbildung von Hunden - Gutachten zur Verwendung von Elektroreizgeräten bei der Ausbildung von Hunden aus ethischer und ethologischer Sicht
ISBN398015453X, erhältlich beim VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen).
Das ethische Gutachten ist von Prof Dr.Gotthard M. Teutsch.
Das ethologische Gutachten von Dr. med. vet. Dorit Urd Feddersen-Petersen.

Eigene Untersuchungen zum Einsatz eines elektrisierenden Trainingshalsbandes:

Im Mai/Juni 1998 wurden 12 Hunde etwa gleichen Alters mit dem Teletakt-Gerät konditioniert. Das zu beseitigende Verhaltensproblem war bei allen ein ausgeprägtes Jagd- und Beutefangverhalten. Alle Hunde gehörten einer Jagdhunderasse bzw. einer Schutzhunderasse an und waren erwachsene und ausgebildete Schutzhunde bzw. Jagdhunde. Sie waren mindestens 10 Tage lang zuhause stundenweise mit dem Attrappenhalsband in entspannter Atmosphäre vertraut gemacht worden. So sind die Tiere zumindest hinsichtlich der aufgeführten Parameter vergleichbar und es macht Sinn, sie zu testen.

  1. Deutsch Kurzhaar, Rüde, 4 Jahre, jagdlich geführt.
  2. Kleiner Münsterländer, Rüde, 5 Jahre, ausgebildet, jedoch nicht jagdlich geführt aufgrund hochausgeprägter Jagdmotivation, die immer wieder zum Beutefangverhalten längerer Dauer führte.
  3. Rauhaardackel, Rüde, 4 Jahre, jagdlich geführt.
  4. Kurzhaarteckel, Hündin, 6 Jahre, jagdlich geführt.
  5. Labrador Retriever, Hüdin, 6 Jahre, jagdlich geführt.
  6. Flat coated Retriever, Rüde, 6 Jahre, nicht jagdlich geführt.
  7. Deutsch Langhaar, Rüde, 4 Jahre, jagdlich geführt.
  8. Kleiner Münsterländer, Hündin, 5 Jahre, nicht jagdlich geführt
  9. Deutscher Schäferhund, Rüde, 4 Jahre, geprüfter Schutzhund.
  10. Rottweiler, Rüde, 5 Jahre, Schutzhundeausbildung.
  11. Riesenschnauzer, Rüde, 4 Jahre, Schutzhundeprüfung.
  12. Rottweiler, Hündin, 7 Jahre, Schutzhundeausbildung.

Da in eigener Verhaltensberatung diese Problematik so gut wie nie auftrat, anderseits allein das selbstbelohnende Verhalten des Jagens als einzige Denkmöglichkeit einer evtl. Indikation für eine Konditionierung mit einem Elektroreizgerät angesehen wird, wurden entsprechende Problemhunde verschiedener Therapeuten "gesammelt" und gleichen Tests unterzogen. Alle Hunde wurden im "Open Field", also auf unbekanntem Territorium, auf Umweltsicherheit und soziale Sicherheit sowie soziale Verträglichkeit dem Hundehalter wie der Testperson gegenüber geprüft: sozio-positives Verhalten (Verhalten, welches zur Abstandsverminderung führt, also z. B. zur Kontaktaufnahme) wie sozio-negatives Verhalten (führt zur Distanzvergrösserung, z. B. Meideverhalten).

Anhand des Verhaltens der Tiere (Ausdruckverhalten) waren vor und nach der Elektroreizerfahrung in einer definierten Testsituation deutliche Unterschiede nachzuweisen. Insbesondere das Sozialverhalten (30 Minuten nach der Elektrostimulation)dem Hundehalter gegenüber war m.o.w. stark beeinträchtigt. Bis auf ein Tier (Deutsch Langhaar) verhielten sich alle Hunde ängstlich, waren hektisch, blieben nicht beim Besitzer, wichen ihm vielmehr ständig aus. Der Rottweiler, der vor der Stimulation durch ausgeprägte Umweltsicherheit und Imponieren der Testperson gegenüber aufgefallen war und dessen Loslaufen im Ansatz gestoppt werden konnte, trat im zweiten Testdurchgang ebenso sicher auf, wirkte jedoch gereizt und bedrohte die Testperson jetzt.

Ein Hund (Riesenschnauzer) war nicht ansprechbar, verkroch sich wimmernd in der Ecke und zeigte Apathie. Auch die Umweltsicherheit war bei den meisten Hunden herabgesetzt, sie wichen Reizen aus, denen im ersten Durchgang angstfrei begegnet worden war, hockten bei geduckter Körperhaltung oder bewegten sich so und zeigten Angstkoten. Die Kurzhaarteckelhündin lief in Panik zick-zack-artig über das Gelände, zeigte ausgeprägtes Fluchtverhalten und lief/sprang dabei immer wieder gegen den Zaun.

Schlussfolgerung

Wir dürfen uns beim Umgang mit dem Hund keine "Unfälle" beim Strafen erlauben, die diesem ein erhebliches Leiden zufügen können. Es gibt eine Fülle einsetzbarer Alternativen und Trainingsarten, die überdies erfolgreicher sind.

Es kann nicht stark genug betont werden, dass strafende Lernmethoden oder eine bedrohliche Umgebung Hunde ständig in Erregung versetzen. Aus dem Bestreben heraus, sich schützen zu müssen, führen etliche der hundlichen Reaktionen dann mitunter zu gefährlichen Zwischenfällen.

Hunde werden danach oft als "Bestien" tituliert. Das nötige Nachdenken wie es zu dem Unfall kam unterbleibt.

Methoden, die auf Motivationsförderung basieren, setzen sicher mehr Phantasie beim Hundetrainer voraus, aber sie sind weit erfolgreicher und angenehmer für den Hund wie für den Besitzer.

Unsere Einstellung zum Hund muss sich weiter ändern. Diese Änderungen werden letztendlich zur Abkehr vom "Strafe-orientierten-Vorgehen" beim Hundetraining führen. Ich glaube fest daran, denn unsere Einstellung zum Tier ist ein Spiegelbild unseres Umgehens mit der gesamten Natur und unseren Mitmenschen.

Die Mystifizierung im Hundesport, grob gesprochen, eine Vereinfachung durch laienhafte Vorstellungen von der Ethologie des Hundes, muss endlich durch Anwendung lernbiologischer Methoden ersetzt werden.

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Wer sich für Stromschlag entscheidet, nimmt also erhebliche Leiden des Hundes in Kauf, verstösst je nach Land gegen das Gesetz und geht das Risiko ein, dass sein Hund früher oder später einmal durchdreht. Betrachtet man das Luxemburgische Gesetz vom 18. März 2000 ein bisschen genauer, ist nicht nur das Teletakt-Gerät verboten, sondern alle Hilfsmittel die dem Hund Schmerzen bereiten. Aber auch jede Einschüchterung des Hundes ist verboten. Ein gutes Gesetz - aber wo keine Kontrolle, da ist auch kein Richter! Auch der Mensch ist den Prinzipien der lernbiologischen Gesetze unterworfen. Bei der Bearbeitung dieses Textes stellten wir uns automatisch die Frage, wie viele Hundeschulen noch arbeiten dürften, wenn sie sich genau an den Gesetzestext hielten? Auch manche Hundeschulen die Teletakt-Geräte und Stachelhalsband ablehnen, arbeiten noch immer über Einschüchterung - leider.

Einen weiteren Betrachtungspunkt möchten wir noch hinzufügen. Dass die Anwendung des Teletakt-Gerätes Schmerzen verursacht steht ausser Zweifel. Der Grad der Schmerzen hängt von vielen Faktoren ab, u. A. von der Stromstärke. Der Grad der Schmerzempfindung ist jedoch individuell. Das kennen wir von uns Menschen. Je nach Empfindlichkeit des Hundes und der Gegebenheiten der Umwelt wie Ablenkung, Nässe des Felles, Erregungszustand usw. ist der Schmerz mehr oder weniger stark. Auch der beste Fachmann kann die richtige "Dosis" nicht genau einstellen und bei der Unterbrechung einer Instinkthandlung wie dem Jagen reicht eine kleine "Dosis" nicht aus.

Schliesslich weiss man aus vielen Untersuchungen, dass selbst "harmlos erscheinende" Stromstösse bei Tieren erhebliche Gewebeveränderungen in der Muskulatur und im Gehirn verursachen können. Diese reichen von kleinen Blutungen bis zu erheblichen Gewebestörungen.

Die Verursachung von Schmerzen und Schäden kann aber bei einer artgerechten Ausbildung von Hunden nicht das Ziel sein. Die moderne Hunde-Ausbildung will heute den gehorsamen und sozialsicheren Hund, der sich gut in unsere Welt integriert. Sie will nicht den stumpfen Gehorsams-Idioten den man wegstellt, wenn er nicht gebraucht wird, der nur auf bestimmte Kommandos reagiert und auf Grund seiner Ausbildung eine Gefahr für die Umwelt darstellt - eine lebende Zeitbombe.

Fazit: Damit weniger Unfälle passieren brauchen wir den sozialsicheren Hund und keinen gedrillten Hund, der nur vorübergehend ein gutes Resultat zeigt.

Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel!

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